Umgang mit Messgeräten

Sie Ihr Gebäude selbst aufmessen, wartet einiges an Arbeit auf Sie. Sobald das Aufmaßblatt erstellt und ein Konzept für das angedachte Vorgehen bereitgelegt ist, müssen vor Ort die nötigen Maße ermittelt werden. Hier steckt der Teufel allerdings oft im Detail. Je nach Gebäude und benötigtem Detaillierungsgrad stehen Sie unter Umständen vor einigen unerwarteten Herausforderungen.

Welches Messgerät wird für was und wie verwendet?

Haben Sie Ihren Werkzeugkasten mit den geeigneten Gerätschaften bestückt, ist das bereits ein guter Anfang. Um auch tatsächlich erfolgreich damit zu arbeiten, müssen Sie nun wissen, wie welches Messgerät eingesetzt wird und welche Handgriffe die Arbeit erleichtern bzw. wo immer wiederkehrende Fehlerquellen lauern.

Womit überhaupt aufmessen?

Spätestens wenn es an das eigentliche Aufmessen geht, stellt sich die Frage nach dem richtigen Messgerät. Einfache Gebäude lassen sich mit Meterstab und Maßband aufmessen. Sobald es jedoch an die dritte Dimension geht – also an die Höhe von Bauteilen, Stockwerken oder auch ganzen Gebäuden –, hilft ein Lot weiter.

Darüber hinaus bieten Distanzlaser, Wasserwaage und auch Laserwasserwaage gute und zugleich einfache Hilfestellungen, um die Arbeit zu erleichtern, zu beschleunigen und nicht zuletzt auch zu kontrollieren. Denn erst wenn Sie über die Maßhaltigkeit von Bauteilen Bescheid wissen, lassen sich Messungenauigkeiten abschätzen und scheinbar fehlerhafte Aufmaße auf einmal zu einem stimmigen Grundriss verbinden.

Meterstab

Der Meterstab

Das am weitesten verbreitete Messinstrument ist der Meterstab. Er eignet sich für die meisten Aufgaben beim Aufmessen. Wichtig im Umgang mit ihm ist das vollständige Entfalten aller Glieder. In der Praxis werden immer wieder einzelne Glieder übersehen und so die ermittelten Maße um einige 20-Zentimeter-Schritte verfälscht. Außerdem wird der Meterstab (oder auch Zollstock) häufig falsch angelegt. So kann ein Abknicken oder Durchbiegen zu Abweichungen von mehreren Zentimetern führen.

Unser Tipp: Messen mit zwei Meterstäben

In der Regel sind Räume in Wohnungen zu groß für einen einzelnen Meterstab. Daher muss der Endpunkt markiert und das Messgerät umgesetzt werden. Verwenden Sie daher zwei Meterstäbe, die vollständige entfaltet sind, und legen Sie diese in einer geraden Linie so, dass die Enden mit der „0“ jeweils an gegenüberliegenden Wänden positioniert sind. Lesen Sie im Überlappungsbereich den Wert des zweiten Meterstabs am Ende – also bei 200 Zentimeter – des ersten Stabs ab. Nun müssen Sie für die Gesamtlänge nur noch die 200 Zentimeter von Stab 1 zum abgelesenen Maß von Stab 2 addieren.

Das Maßband

Vor allem lange Distanzen – beispielsweise Gebäudeaußenmaße, lange Flure oder ganze Zimmerfluchten – lassen sich sehr gut mit Hilfe eines Maßbands ermitteln. Durch das fehlende Aneinanderlegen kurzer Messgeräte steigt die Genauigkeit. Wichtig ist dabei allerdings, dass das Band richtig gespannt ist. Da jegliche Eigenstabilität fehlt, steigen die Ungenauigkeiten in dem Moment, in dem die Spannung nachlässt. Kurven, Bögen oder einfache Bodenunebenheiten verfälschen das Ergebnis enorm. Wenn Sie zu zweit arbeiten, können Sie sicherstellen, dass das Maßband jederzeit gespannt und vollständig gerade angesetzt wird.

Massband

Unser Tipp: Mit dem Maßband ohne zweite Person korrekt messen

Wenn Sie auf die Hilfe einer zweiten Person verzichten müssen, können Sie sich mit einem Nagel oder einem Haken behelfen. Markieren Sie den Anfangspunkt Ihrer Messstrecke mit einem Nagel und haken Sie das Ende des Maßbandes dort ein. Achten Sie darauf, dass der Haken auch tatsächlich die Nullstelle des Bands markiert. Andernfalls muss die Distanz zwischen Haken und Nullstelle rechnerisch korrigiert werden.

Distanzlaser

Der Distanzlaser

Besonders komfortabel ist der sogenannte Distanzlaser. Er ist nicht größer als eine Zigarettenschachtel und lässt sich ohne großen Aufwand nahezu überall einsetzen. Die Distanz zwischen Gerät und Zielobjekt wird auf Knopfdruck mit Hilfe eines Laserstrahls ermittelt. So lassen sich besonders gut die Innenmaße von Räumen ermitteln. Schwierig wird es dagegen bei Außenmaßen, wo die Messstrecke nicht durch ein abschließendes Bauteil als "Reflektor" definiert ist. Je nach Gerät sollten Sie darauf achten, dass die Nullstelle Ihrer Messtrecke auf der Hinterkante des Geräts liegt, so dass Sie diesen einfach am Ursprung an die Wand oder das anderweitige Bauteil anlegen können.

Unser Tipp: Schaffen Sie künstliche "Bauteile"

Je länger die Distanz, umso komfortabler ist die Arbeit mit dem Distanzlaser. Wollen Sie ein Gebäudeaußenmaß aufnehmen, kann eine zweite Person mit einer Schreibmappe oder einem anderen soliden Gegenstand einen Zielpunkt definieren, auf den der Laser treffen kann. Legen Sie beispielsweise Ihre Mappe an der Hauswand an und lassen Sie diese etwas überstehen. So können Sie bequem vom anderen Hausende aus eine Gesamtlänge messen, obwohl keine begrenzende Wand vorhanden ist.

Hilfsmittel für noch genaueres Aufmessen

Um auch die Höhe einfach zu ermitteln oder aber Messergebnisse noch genauer bestimmen zu können, gibt es weitere praktische Hilfsmittel.

Die Wasserwaage

Eine Wasserwaage eignet sich sehr gut, um verschiedenste Aufgaben zu übernehmen. Sie können damit prüfen, ob Ihre Wände senkrecht sind oder ob sich die Bauteile in ihrem Verlauf verformen bzw. neigen. Außerdem können Sie damit kontrollieren, ob insbesondere das Mauerwerk baucht oder ausbeult. Nicht zuletzt hilft Ihnen die Wasserwaage auch dabei, die Ebenheit von Böden oder ganzen Geschossen zu bestimmen.

Wasserwaage
Laser Wasserwaage

Die Laserwasserwaage

Besonders praktisch bei der Bestimmung von Boden- oder Deckenaufmaßen ist die Laserwasserwaage. Einmal waagerecht auf ihrem Stativ aufgebaut, wirft sie auf alle umgebenden Wände eine exakt waagerechte Linie, die Ihnen als Messhilfe für die Komplettaufnahme aller Höhen im betreffenden Raum dienen kann. Messen Sie von der besagten Linie aus entlang der Wände jeweils nach unten und oben. So erfahren Sie nicht nur, wie hoch der Raum an jeder einzelnen Stelle ist, sondern können durch die Abweichungen der einzelnen Maße nach unten oder oben sogar feststellen, wo, in welche Richtung und wie stark Boden oder Decke geneigt sind.

Das Lot

Das Lot – also eine einfache Schnur mit einem angebundenen Gewicht – ist ein einfaches Hilfsmittel, mit dem Sie vor allem große Höhen hinsichtlich ihrer Maßhaltigkeit und ihrer seitlichen Abweichung kontrollieren können. Einmal aus dem Giebelfenster gehalten, zeigt es Ihnen sofort, ob die Giebelwand gerade ist, oder ob sie – wie bei alten Häusern nicht unüblich – über ihren Höhenverlauf ausweicht.

Lot

Fazit

Mit dem „korrekten“ Messen sparen Sie sich viel Aufwand und Zeit. Auf der einen Seite ist das Aufmessen mehr als nur das schlichte Anlegen eines Meterstabs. Andererseits bleibt die Fülle unterschiedlicher Hilfsmittel so überschaubar, dass diese Aufgabe mit etwas Übung auch für Ungeübte innerhalb kurzer Zeit erlernbar ist. Sind Sie erst einmal beim eigentlichen Messen angelangt, schaffen Sie auch diesen Schritt sicher und souverän, so dass kurz darauf auch der gezeichnete Grundriss fertig sein wird.