Die Kubatur im Bauwesen

Der Begriff Kubatur wird sehr selten in alltäglichen Unterhaltungen genutzt. Öfter fällt er in Gesprächen mit Personen aus der Bau-, Immobilien- und Finanzbranche und ist Ihnen als (angehende/r) Bauherr:in vielleicht daher geläufig. Umso interessanter ist es zu wissen, was sich genau dahinter verbirgt. Im Folgenden definieren wir den Begriff und klären dessen Herkunft. Wir erläutern, wofür die Kubatur benötigt wird, zeigen Ihnen die Berechnung zur Kubatur anhand eines einfachen Bauwerks auf und beschreiben die geltende DIN 277-1.

Definition und Herkunft des Begriffs Kubatur

Mit dem Begriff Kubatur wird im Bauwesen sowie in der Architektur und im Immobilienwesen das geometrisch messbare Volumen eines Baukörpers oder Bauwerks beschrieben. Dabei ist es irrelevant, welche Gestaltung oder welche Materialbeschaffenheit dieses Bauwerk hat.

Das Wort leitet sich aus dem lateinischem Wort Kubus ab, was wiederum für Würfel steht. Dies ist jedoch im heutigen Sprachgebrauch etwas irreführend, da die Kubatur für Bauobjekte jeglicher Form angewendet wird. Als Synonym für wird der Begriff umbauter Raum genutzt, wobei es in diesem Sinn eher als Brutto-Rauminhalt verwendet wird, was bei der Wertermittlung von Gebäuden eine wesentliche Rolle spielt.

Neubau des Berliner Schlosses nach der Kubatur des barocken Schlosses von 1894

(Neubau des Berliner Schlosses nach der Kubatur des barocken Schlosses von 1894: Copyright Envato Elements)

Die Kubatur eines Gebäudes

Die Kubatur eines Gebäudes kann sehr bildlich dargestellt werden, wenn von der Restaurierung oder der Neuerrichtung zerstörter oder abgetragener historischer Bauten die Rede ist. Ein sehr bekanntes Beispiel liefert der Neubau des Berliner Schlosses, das unter dem Namen Humboldt Forum als eine zentrale Touristenattraktion gilt, zumal es die Historische Berliner Mitte wiederherstellte. Der Neubau entspricht in seinen Außenmaßen weitestgehend den ehemaligen Außenmaßen des barocken Schlosses von 1894, welches in der DDR 1950 gesprengt und abgetragen wurde.

Wofür wird die Kubatur benötigt?

Die Kubatur kommt dann zum Einsatz, wenn es um die Kostenplanung, die Baufinanzierung oder grundsätzlich die Dauer eines Bauprojektes geht. Anhand des Gesamtvolumens lässt sich eine erste Wertermittlung ableiten, die für alle Baubeteiligten aussagekräftig ist. Dieses Gesamtvolumen wird auch Brutto-Rauminhalt genannt und sollte angehenden Bauherren:innen ein Begriff sein.

Wie wird die Kubatur / der umbaute Raum berechnet?

Bei der Berechnung der Kubatur wird stets das Volumen eines Bauwerks ermittelt. Die einfachste Vorgehensweise für die Berechnung ist, ein Bauwerk in rechteckige Einzelteile zu zerlegen. Um diesen Vorgang zu verdeutlichen, hilft folgende Grafik:

Ein klassisches Einfamilienhaus mit Satteldach hat eine recht simple Kubatur, die sich auf zwei geometrische Körper reduzieren lässt: Erstens ein Quader für das Erdgeschoss und zweitens ein Prisma für das Dachgeschoss. Der Schornstein wird generell nicht berücksichtigt. Dadurch lässt sich die Berechnung des umbauten Raumes auf zwei Formeln reduzieren, die noch aus der Schulzeit bekannt sein dürften:

Kubatur
  • Formel zur Volumenberechnung eines Quaders Länge a in Meter x Breite b in Meter x Höhe c in Meter = Quadervolumen in Kubikmeter
  • Formel zur Volumenberechnung eines Prismas Länge A in Meter x (Breite B in Meter/2) x Höhe C in Meter = Prismavolumen in Kubikmeter

Um diese Formeln besser nachvollziehen zu können, führen wir Sie durch eine Beispielrechnung, mit einem etwas erweiterten Objekt. Dabei gehen wir von einem unterkellerten Einfamilienhaus mit Satteldach aus, dessen Grundmaße wie folgt lauten:

  • Länge = 9 Meter
  • Breite = 12 Meter
  • (Geschoss-)Höhe = 2,5 Meter

Beispielberechnung:

  • Berechnung Kellergeschoss mit der Formel: a x b x c = x KG 9 m x 12 m x 2,5 m = 270 m3
  • Berechnung des Erdgeschosses mit der Formel: a x b x c = x EG 9 m x 12 m x 2,5 m = 270 m3
  • Berechnung des Dachgeschosses mit der Formel: A x (B/2) x C = x DG 9 m x (12 m/2) x 2,5 m = 135 m3
  • Summer aller Einzelgeschosse: x KG + x EG + x DG = x Gesamtvolumen 270 m + 270 m + 135 m = 675 m3

Damit beträgt der umbaute Raum des Beispielobjektes 675 m3.

Diese vereinfachte Darstellung soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Normalfall ein Bauobjekt wesentlich “komplizierter” aufgebaut ist und die Unterteilung in rechteckige Baukörper u.U. zum Problem werden kann. Daher ist es ratsam für die Kubatur eines kompletten Gebäudes einen Fachmann zu beauftragen. Dies wird bereits beim Baukörper Dach ersichtlich, da es viele verschiedene Dacharten gibt, die viel kleinteiliger untergliedert werden müssen.

Prinzipiell lässt sich die Berechnung der Kubatur auch auf Wohnungen übertragen. Auch hier gilt es, die Räumlichkeiten in rechteckige Baukörper zu unterteilen und sicherzustellen, dass die drei relevanten Zahlen - Breite, Länge und Höhe - bekannt sind. Hierbei ist es wichtig, das Volumen für jeden einzelnen Raum zu berechnen, da möglicherweise Dachschrägen oder andere Elemente im Raum vorhanden sind, die die Untergliederung in rechteckige Baukörper anders gestaltet. Ebenso müssen Geschosse, die sich in ihrem Grundriss unterscheiden, einzeln berechnet werden.

Gut zu wissen - 1: Für die Berechnung werden stets die Außenmaße des Rohbaus angenommen. Demzufolge werden bei Bauobjekten mit Putzfassaden zwei Prozent von allen Maßen abgezogen. Weist die Fassade darüber hinaus noch gestalterische oder konstruktive Vor- oder Rücksprünge auf, sind diese zu übergehen.
Für das Höhenmaß wird im Kellergeschoss von der Oberkante des Fundaments bis zur Oberkante des Bodenbelags im Erdgeschoss gemessen. Sollte es keinen Keller geben, wird die Höhe ab der Geländeoberfläche angenommen. Für das Erdgeschoss wird die Höhe von der Oberkante des Fußbodens bis zum Beginn der Dachschrägen ermittelt. Dementsprechend fängt das Höhenmaß für das Dachgeschoss am untersten Punkt der Dachschräge an und verläuft bis zum Dachfirst.
Bei ausgebauten Dachböden wird der umbaute Raum bis einschließlich Decken, aber ohne Dacheindeckung berechnet. Sollte der Dachboden nicht ausgebaut sein, wird die Höhe von der Bodenoberfläche bis zum letzten Vollgeschoss angenommen.

Gut zu wissen - 2: Es gibt eine Reihe an Bauelementen, die bei der Berechnung der Kubatur nicht zum Tragen kommen, da sie sich nicht auf diese auswirken. Folgende Liste verschafft Ihnen einen Überblick über diese Bauelemente:

  • Fundamente
  • Bodenplatten
  • Freitreppen
  • Rampen
  • Balkon- und Terrassenbrüstungen
  • Licht- und Installationsschächte
  • Lichtkuppeln
  • Dachüberstände
  • Eingangsüberdachung
  • Auskragende Sonnenschutzanlagen
  • Pergolen
  • Befestigte Freisitze
  • Schornsteine
  • Rohrleitungen
  • Gruben
  • Kanäle

Berechnungsgrundlage DIN 277-1

Die Kubatur wird in der Norm DIN 277-1 (Grundflächen und Rauminhalte im Bauwesen – Teil 1: Hochbau) geregelt. Darin wird genau spezifiziert, wie die Ermittlung des Volumens oder Rauminhalts zu erfolgen hat. Auf Grundlage des Rauminhalts sollen Aussagen getroffen werden können hinsichtlich Planung, Bauausführung und Nutzung von Bauwerken. Darüber hinaus soll auf Grundlage des umbauten Raumes gemäß DIN 277-1 insbesondere Baukosten nach DIN 267 – Kosten im Bauwesen (Ausgabe Dezember 2018), einzelne Kostengruppen nach DIN 276 als Mengen- und Bezugseinheiten sowie auch letztlich die Ermittlung der Nutzungskosten im Hochbau nach DIN 18960 (Ausgabe November 2020) ermittelt werden können.

Im Zusammenhang mit der Kubatur sind noch folgende Begriffe gemäß DIN 277 relevant:

Grundfläche des Bauwerks: beinhaltet Brutto-Grundfläche (BGF), Konstruktions-Grundfläche (KGF), Netto-Raumfläche (NRF), Nutzfläche (NUF), Technikfläche (TF) und Verkehrsfläche (VF).

Rauminhalt des Bauwerks: umfasst Brutto-Rauminhalt (BRI), Netto-Rauminhalt (NRI) und Konstruktions-Rauminhalt (KRI).

Grundfläche des Grundstücks: umspannt Grundstücksfläche (GF), Bebaute Fläche (BF), Umbaute Fläche (UF) und Außenanlagenfläche (AF).

Von diesen Begriffen sind folgende drei gesondert hervorzugeben:

Brutto-Rauminhalt (BRI): umschließt das Gesamtvolumen eines Bauwerks oder Geschosses.

Konstruktions-Rauminhalt (KRI): beschreibt laut DIN 277 den Anteil des Brutto-Rauminhalts (BRI), der das Volumen der Baukonstruktionen des Bauwerks umfasst.

Brutto-Grundfläche (BGF): dienen zusammen mit den entsprechenden Höhen eines Bauwerks oder Geschosses die Ausgangsgrößen für den Brutto-Rauminhalt (BRI) in m3.

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